Restaurierte Turnerfahne übergeben

Datum: 11.07.17

Eine wertvolle Rarität wurde im Mai 2017 an  das Stadtmuseum von Güstrow  übergeben. Gemeint ist die Fahne des Güstower  Arbeiter- Turn- Vereins von 1894. Den Güstrower Sportchronisten Uwe Zicker und Rudi Schröder , sowie den vielen fleißigen Spenderinnen und Spendern, ist es  zu verdanken, dass die Fahne vor dem Verfall gerettet werden konnte bzw. sie restauriert werden konnte.

Sehr lange war die Fahne in ihrem desolaten Zustand im Archiv  des Stadtmuseum untergebracht. Die Sportchronisten holten sie daraus und organisierten eine Spendenaktion. Es dauerte auch nicht lange, da hatten sie das Geld zusammen und ließen die Fahne für 4000,00€ restaurieren. Kein einfaches Unterfangen. Aber es hat sich gelohnt.“ Eine wertvolle Rarität, ein großartiges Kulturgut der Stadt Güstrow konnte vor dem Verfall gerettet werden.“ freut sich Rudi Schröder, der dann zusammen mit seinem Vereinschef am Internationalen Museumstag die Fahne enthüllen durfte.

Vor der Enthüllung macht Rudi Schröder  noch einige Bemerkungen zur Geschichte dieser wertvollen Fahne. Ihre Recherchen ergaben nun folgendes : Im Frühjahr 1894 gründete sich der Arbeiter-Turn- Verein in Güstrow .So genau weiß man das heute zwar nicht mehr, weil verschiedene Jahreszahlen angegeben wurden. Wann und wo  der ATV seine Vereinsfahne anfertigen lies und sie dann weihte ist noch unbekannt. Es war Ende des 19. Jahrhunderts/ Anfang des 20. Jahrhunderts Sitte und Brauch, dass sich Vereine eine Vereinsfahne zulegen. Im Jahre 1907 tagte in Stuttgard der Bundesturntag der Arbeitersportbewegung und fasste den Beschluss, den vom bürgerlichen Turnen übernommenen Leitspruch “Frisch-Frei- Fröhlich-Fromm“ in das Motto „Frisch-Frei-Stark-treu“ zu ersetzen. Dieses Motto mit den beiden „F“, sowie mit dem „T“ und dem umschlungenem „S“ und der Sportruf“ Frei-Heil“ war von nun an Symbolik der Arbeitersportvereine. Daraus kann man schlussfolgern, dass die helle Seite der Fahne mit großer Sicherheit in den Jahren 1907- 1919 hergestellt wurde.

Der Wahlspruch „ der freien Turnerschaft“ nimmt eindeutig Bezug auf das Arbeiterturnen. Die Vereinsjubiläen des ATV, entweder 1909 das 15- jährige, oder 1914 das20-jährige oder 1919 das 25- jährige Jubiläum könnte mit der Weihung der Vereinsfahne  in  Verbindung gebracht werden. Die Vereinsfahne ist wegen der unterschiedlichen Symbolik auf beiden Fahnenseiten eine besondere Rarität in M-V.

Die Turnerfahne überstand beide Weltkriege mit viel Glück und ohne nennenswerte Schäden. In der Zeit der Naziherrschaft in Deutschland wirkte das Gleichschaltungsgesetz. Darin war das Verbot sämtlicher Organisationen des Arbeitersports enthalten. Alle Sportvereine mussten sich auflösen. Geblieben sind die Vereine, die im Reichsbund für Leibesübungen weiterhin ihre Arbeit taten.

Nach dem Krieg 1946 wurde die Vereinsfahne des ATV von dem Turner Jürgen Nonnenprediger  aus Ludwigslust auf einem LKW der Roten Armee entdeckt. Sie war in Ölpapier eingewickelt und für den Abtransport in die UDSSR vorbereitet. So wurde die Fahne durch diesen mutigen Sportler vor dem Verlust gerettet. In den Jahren von 1965- 1969 fanden dir ersten Kreisspartakiaden in Güstrow statt. An einem dieser sportlichen Höhepunkte kam der Turner Jürgen Nonnenprediger und überreichte die Fahne an die Turnerfamilie Ilse und Fritz Dieckmann. Beide Sportfreunde hatten große verdienste an der Entwicklung und Förderung des Gerätturnens in Güstrow seiner Heimatgeschichte zur Entwicklung des Sportes erhalten.. Die Stadt Güstrow hatte nun ein großartiges  und wertvolles Kulturgut. Im Jahr 1970 überreichte das Heimatmuseum dann offiziell die Turnerfahne an das Turnehepaar Dieckman, die die Fahne dann im Sport-und Traditionszimmer der Familie aufbewahrt und pflegte.

Als die Stadt Güstrow im Jahre 1778 ihre 750-jährige Gründung feierte , trugen die Altersturner Robert Kania und Otto Maybaum die Fahne durch die Straße der Stadt.

Ilse Dieckmann über gab dann 1996 die Turnerfahne an das Stadtmuseum  Güstrow. Das Museum wollte sich auch bemühen, die Fahne restaurieren zu lassen, damit sie der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden sollte.

So viel zur Geschichte der Fahne, die Rudi Schröder vor der Enthüllung, allen sehr emotional und eindrucksvoll schilderte.

Es wurde auch nur die helle Seite der Fahne restauriert.

Weil der alte Stoff der Fahne zu empfindlich ist, kann sie noch nicht öffentlich ausgestellt werden. Ab und an wird sie schon zu sehen sein, aber nur die Sportchronisten haben dann Zugang und dürfen sie  bei bestimmten Anlässen vorstellen.

Petra Zimmermann