Appell der Deutschen Kinderturn-Stiftung

21.04.2021 14:45

Die Deutsche Kinderturn-Stiftung appelliert im Sportausschuss des Bundestages an die Politik, den Nachwuchs schnellstmöglich wieder in Bewegung zu bringen.

Kerstin Holze | Bildquelle: PictureAlliance
Kerstin Holze | Bildquelle: PictureAlliance

Die Deutsche Kinderturn-Stiftung fordert von der Bundespolitik einen Nachhilfe-Pakt für Sport und Bewegung. „Wir müssen gemeinsam nach Wegen suchen, Kindern umgehend wieder qualifizierte Bewegungsangebote zur Verfügung zu stellen“, sagte die Stiftungs-Vorsitzende Kerstin Holze am Mittwoch (14.04.2021) vor dem Sportausschuss des Bundestages. „Kindheit findet jetzt statt und kann nicht verschoben werden.“

Grundlage der Sitzung und öffentlichen Anhörung in Berlin war der vierte Kinder- und Jugendsportbericht. Nach diesem bewegte sich die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen schon vor Beginn der Coronavirus-Krise im Alltag zu wenig und erreichte die WHO-Empfehlung von 60 Minuten moderater bis intensiver Bewegung pro Tag nicht. Die Einschränkungen durch die Pandemie haben die Situation noch verschlimmert. Erste Studienergebnisse des Karlsruher Instituts für Technologie zeigen, dass im 2. Lockdown nur noch 16 Prozent das WHO-Ziel erreichten. 28 Prozent der Befragten gaben an, dass sich ihr Körpergewicht seit dem Frühjahr 2020 erhöht habe.

„Wir leben seit zwölf Monaten in einem permanenten Ausnahmezustand“, sagte Holze. Neben dem Alltag mit ihren Freunden seien es vor allem die qualifizierten Bewegungsangebote in Schulen und Kindertagesstätten sowie das Vereinsleben, die den Kindern fehlten. „Ebenso wie für das Erlernen von Fremdsprachen gibt es auch für das Erwerben von motorischen Fähigkeiten ein goldenes Zeitalter“, sagte die Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde und fordert: „Wir brauchen jetzt eine Art ‚Nachhilfe-Pakt‘ für Sport und Bewegung, um diese im vergangenen Jahr verpassten motorischen Entwicklungen aufzuholen.

„Kindheit kann nicht verschoben werden“

Unter Berücksichtigung der vorgegebenen Hygienemaßnahmen und begleitet von unbürokratischen und kostenlosen Testangeboten seien Sport und Bewegung auch während der Pandemie möglich. „Öffnen wir unsere Außensportanlagen und schicken das Kinderturnen ins Freie“, schlug Holze vor. Die Vereine könnten mit den schon bestehenden festen Kita-Gruppen zusammen turnen. Auch Sportunterricht solle draußen stattfinden. In den Sporthallen könnte man Familien wetterunabhängig Bewegungszeiten anbieten. 

Unsere Kinder haben ein Recht auf eine bewegte Kindheit“, betonte Holze. Diese gebe es nicht zum Nulltarif. Finanzielle Ressourcen müssten zur Verfügung gestellt werden. Der Aufwand lohne sich auch langfristig: „Bewegte Kinder zeigen auch im Erwachsenenalter ein deutlich gesteigertes Bewegungsverhalten mit all seinen bekannten positiven Aspekten.“